Hoffnung in Supervision und Coaching

In letzter Zeit kommt es öfter vor, dass die krisenhafte geopolitische Lage und die gesellschaftliche Situation auch die Supervisand*innen und Coachees beschäftigen und damit plötzlich in den Gesprächen Raum einnehmen. Die Grundfrage: Wie umgehen mit Krisen und der scheinbar hoffnungslosen Situation? Gerd Forcher bietet eine philosophische Perspektive.

Manchmal überkommt einem Supervisanden oder einer Supervisandin das große Elend angesichts der Weltlage, Coachees thematisieren ihre Situation auf dem Hintergrund der Krisen der Zeit. Wie also damit umgehen? Nicht selten ist der Begrifft "Hoffnung" ein Stichwort. Lassen Sie mich heute - gerade zu Ostern - darüber ein wenig philosophieren und einen Ansatz für Supervision und Coaching finden.

Zunächst: Was verstehen wir unter „Hoffnung“?

Hier ein paar Zitate und Ideen:

  • Hoffen ist kein Wünschen und auch kein bloßes Wollen. Es richtet sich auf das Unverfügbare, dasjenige, was den Horizont der menschlichen Handlungsfähigkeit und Entscheidungsgewalt transzendiert. (Vgl. Gabriel Marcel, 1889 – 1973)
  • Hoffnung steht der Verzweiflung, der Furcht, der Angst entgegen.
  • „Hoffnung ist eine grundlegende menschliche Eigenschaft und gesellschaftlich gesehen ein Krisen­phänomen.“ (Hanna Gekle)
  • „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ (Vaclav Havel)

"Das Prinzip Hoffnung"

Mir selbst wurde das "Prinzip Hoffnung" des deutschen Philosophen Ernst Bloch (1885 – 1977) wichtig. Seine Sicht der „Hoffnung“ fasse ich hier in Zitaten und wichtigen Begriffen zusammen.

„Wir haben keine Zuversicht, wir haben nur Hoffnung.“

(aus einem Interview 1961):

„Hoffnung ist nicht Zuversicht. Wenn sie nicht enttäuschbar wäre, dann wäre sie keine Hoffnung; das gehört zu ihr. Denn dann würde sie ausgepinselt sein und würde sich herunterhandeln lassen und würde dann kapitulieren, sagen: das ist das, was ich erhofft habe. Also, Hoffnung ist kritisch, Hoffnung ist enttäuschbar, Hoffnung aber nagelt doch immerhin eine Flagge an den Mast.“

Für Bloch ist dieser Unterschied entscheidend: 

Hoffnung ist keine Gewissheit: Im Gegensatz zur Zuversicht, die oft eine sichere Erwartung oder ein festes Vertrauen in einen positiven Ausgang beschreibt, ist Hoffnung bei Bloch untrennbar mit dem Wagnis und der Gefahr des Scheiterns verbunden. Er zitiert dazu einen Spruch aus den Bauernkriegen 1525:

„Geschlagen ziehen wir nach Haus. Unsere Enkel fechten’s besser aus.“

Er spricht von der "docta spes“: Die „belehrte Hoffnung“ richtet sich an der objektiv-realen Möglichkeit aus.

Ansatz für Supervision und Coaching

Und das ist mein Ansatz für Supervision und Coaching: Hoffnung orientiert sich nach den tatsächlichen Möglichkeiten, die noch nicht verwirklicht sind. Und dieses "Noch-Nicht" ist nach vorne gerichtet - in die Zukunft. 

Damit habe ich Anknüpfungspunkte, um aus der "Krisentrance" herauszukommen: 

1. Welche Möglichkeiten sehe ich?

Bloch nimmt sogar Tagträume her, die neue Möglichkeiten erahnen lassen.

2. Welche Potenziale habe ich noch nicht gesehen, die mir Kraft und Orientierung geben?

Bloch spricht hier von "konkreter Utopie" - eigentlich ein Widerspruch in sich, aber sie ist genau die Kraft, die uns mobilisieren kann - auch für eine bessere Welt. Zitat Bloch: „Die Sozialutopie arbeitet als ein Teil der Kraft, das Gegebene so wenig selbstverständlich zu finden, dass nur seine Veränderung einzuleuchten vermag.“

3. Hoffnung als aktives Handeln erkennen:

Hoffnung ist erlernbar und bringt mich in eine Handlungsfähigkeit. Diese aktive Hoffnung ist in der Gegenwart verankert und „konkret“ gestaltet, um Wirkung zu entfalten.

4. Mit dem Scheitern rechnen:

Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass sie auch enttäuscht werden kann.

5. Aus der "Krisentrance" in die "Hoffnungstrance":

Hypnosystemisch betrachtet, ist allein das Thematisieren und Reflektieren des Begriffs "Hoffnung" in der Beratung der Beginn einer Zustandsveränderung: ich befasse mich mit Hoffnung! Das wurde mir sehr bewusst, als ich in einem philosophischen Café mit den Gästen genau über dieses "Prinzip Hoffnung" gesprochen habe. Wenn wir damit auch nicht die Probleme der Welt gelöst haben, aber die Stimmung war eine hoffnungsvolle, gerichtet in eine Zukunft, die auch das Potenzial hat, gut zu werden.

Wenn Sie Hoffnungslosigkeit verspüren, versuchen Sie doch, diese fünf Ansatzpunkte für sich umzusetzen. Vielleicht eröffnet das einen Blick für und in die Zukunft!

Zum Schluss noch zwei Zitate zum Bedenken:

„Das Wirkliche ist nicht fertig, sondern es wird.“

(G.W.F. Hegel)

„ZUVOR: Wie nun? Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“ (Ernst Bloch, Spuren)

Wenn Sie mit Gerd Forcher in Kontakt treten und mehr wissen wollen: info@beratungforcher.at oder +43 650 41 00 561

Photo by Bruno Moriggl

Kategorie: Beruf und Management, Leben, Philosophie

Datum: 06.04.2026

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"Ich möchte mich herzlich für das letzte Jahr bei dir bedanken. Gerade in solchen Jahren mit vielen Umbrüchen und Veränderungen, sind deine stets professionelle, aber auch immer herzliche Art und Unterstützung immens wichtig. Auch die Wertschätzung deinerseits bildet meiner Meinung nach die Grundlage, dass unsere Teammitglieder die Supervision so zahlreich besuchen.   Auf eine weiterhin so feine Zusammenarbeit im nächsten Jahr."

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"Ich wollte mich für die Supervisionen bedanken; ich konnte mich in den Stunden gut öffnen und hatte stets das Gefühl, etwas aus den Stunden mitnehmen zu können."

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