Stressauslöser als Einladung sehen

Das klingt zunächst paradox, passt aber zum Denken von Gunther Schmidt, dem Vorreiter des hypnosostemischen Therapie- und Beratungsansatzes. Was steckt dahinter? Eine kurze Anleitung zum Selbst-Coaching.

Vermutlich fällt es Ihnen nicht schwer, ein Beispiel zu finden, in dem Sie sich in einer intensiven Stresssituation befunden haben: Stress mit einem/einer Kolleg*in in der Arbeit; Konflikte; Entscheidungen, die dringend zu treffen sind; unerwartete Ereignisse…

Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist, die Stressauslöser als Einladung zu sehen: Einladung, um die Bedürfnisse dahinter zu sehen, die für Sie wichtig sind.

1. Das Stress-Erlebnis:

Wählen Sie also ein Ereignis aus, bei dem Sie in Stress geraten sind, und überlegen Sie sich: Welches Erleben in dieser Situation hätten Sie sich gewünscht?

Das gewünschte Erleben wäre sozusagen die „Lösungsalternative“. Als Beispiel: In einem Konfliktgespräch hätten Sie gerne innerlich die Ruhe bewahrt, durchgeatmet und das Ganze wie eine spielerische Auseinandersetzung erlebt.

2. "Muster des Gelingens":

Gab es andere Situationen, in denen Sie das gewünschte Erleben bereits einmal kennengelernt haben? Zumindest so ähnlich? Schmidt spricht hier vom „Muster des Gelingens“. Im erwähnten Beispiel wäre das vielleicht das spielerische Erleben einer Diskussionsrunde am Abend mit Freunden und Freundinnen. 

3. Skalieren:

In einer Skala von 0 bis 10: Wo wäre die unerwünschte, erlebte Variante? Wo die erwünschte aus früheren Situationen? (10 ist überaus positiv und gut).

4. Erkennen von inneren und äußeren Stressauslösern:

Wenn Sie nun für sich die Unterschiede im Erleben herausgearbeitet haben: Erkennen Sie relevante Stessauslöser? Reize, die den Stress in der Ausgangssituation von innen und/oder von außen angestoßen haben könnten?

Bleiben wir beim Konfliktbeispiel:

Von außen könnten Auslöser sein: der Raum, in dem der Konflikt stattgefunden hat; die berufliche Position des Kollegen/ der Kollegin in der Arbeit; Sie waren vorher schon mit einer schwierigen Frage beschäftigt; unterschiedliche Wertvorstellungen, ...

Von innen: innere Dialoge; Vorstellungen über Folgen des Gesprächs; Selbst-Bewertungen und -Entwertungen; Erwartungen an sich selbst und von anderen; innere Phantasien zu Auswirkungen, …

5. Wer war ich in dieser Situation:

In der stressauslösenden Situation: zu wem werden Sie dabei?

  • Wie alt und wie groß waren Sie „gefühlt“? Haben Sie sich als kleines, handlungsunfähiges Kind erlebt?
  • Erinnern Sie sich an Ihre Atmung, Körper-Koordination, Mimik, Gestik in der Situation.
  • Das Erleben von Grenzen in der Situation: Wie viel erlebten und gefühlten Raum haben Sie? Wird es eng?
  • Wie nah kommen im gefühlten Erleben die Auslösereize?
  • Aus welcher Richtung im gefühlten Raum kommen und wirken die Auslösereize auf Sie?
  • Wie reagieren Sie innerlich und äußerlich darauf?

6. Stress: wertvolle Hinweise auf Bedürfnisse:

Wie ich die Situation erlebt habe, welche Stressauslöser für mich da waren, das alles kann auf nicht erfüllte Bedürfnisse hinweisen. Nehmen Sie den Unterschied zum erwünschten Erleben wahr.

7. Umgang mit Reaktionen und Bedürfnissen:

Fragen Sie sich:

  • Wie gehen Sie mit den eigenen Reaktionen, den eigenen Stress-Reaktionen und den sich meldenden Bedürfnissen um? Mit welchen Auswirkungen?
  • Was könnten denn hilfreiche eigene Umgangsweisen mit den Stress-Reaktionen sein?

8. "Muster der hilfreichen Selbstbeziehung":

  • Wie anders läuft es bei Ihnen ab (äußerlich, innerlich, auch mit welchen anderen inneren Reaktionen auf vielleicht gleiche äußere Faktoren) in den eventuell gefundenen „Mustern des Gelingens“?
  • Gibt es womöglich solche - von Schmidt so genannte - "Muster der hilfreichen Selbstbeziehung" schon?
  • Was haben Sie da anders gemacht?
  • Welche Auswirkungen hätte es, wenn Sie sich mehr davon gönnen würden?
  • Was brauchen Sie, um sich diese hilfreichen Muster mehr zu gönnen und sich auch wirksam mehr an sie zu erinnern?

Ich gebe zu: eine ausführliche Übung. Sie können versuchen, selbst diese Methode auszuführen. Oder Sie suchen sich ein Gegenüber, das mit Ihnen diesen Prozess durchgeht. Supervision, Coaching und Life-Coaching stehen dafür immer zur Verfügung.

 

Wenn Sie mit mir zu diesem oder anderen Themen in Kontakt treten und mehr wissen wollen: info@beratungforcher.at oder +43 650 41 00 561

Foto: Gerd Forcher

Kategorie: Stress lass nach

Datum: 07.11.2025

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„Gerade in der oft sehr schwierigen und belastenden Arbeit im Alten- und Pflegeheim ist die Thematisierung und Bearbeitung von schwierigen Themen wie Sterben, Tod, Trauer, Wut, Aggression sehr wichtig und trägt zu persönlichen und beruflichen Hygiene einen wesentlichen Beitrag bei. Auch zur Bearbeitung und Vorbeugung interner Konflikte im Team ist regelmäßige Supervision ein wichtiges Instrument. Wir im Vinzenzheim Neustift haben die Supervision seit vielen Jahren als treuen Begleiter in der täglichen Arbeit und vor allem in schwierigen Situationen schätzen gelernt."

Heimleiter eines Seniorenheims zur Teamsupervision seiner MitareiterInnen

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MMag. Gerd Forcher MSc
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